Mittwoch, 24.07.2019 09:16 Uhr

Erzbistum prüft Fall Hennes trotz Ermittlungseinstellung

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln, 17.06.2019, 17:21 Uhr
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Köln [ENA] Ungeachtet der Einstellung des staatlichen Ermittlungsverfahrens gegen den beurlaubten Düsseldorfer Stadtdechanten Ulrich Hennes wegen angeblicher sexueller Belästigung hat das Erzbistum Köln mit einer “kirchenrechtlichen Vorprüfung” des Falles begonnen. Seine Beurlaubung bleibe bis zum Abschluss der Prüfung in Kraft, obwohl er keinem strafrechtlich relevanten Vorwurf mehr ausgesetzt sei, erklärte die Kölner Kurie.

Ohne Nennung von Einzelheiten hiess es in der Pressemitteilung vom Montag, das Erzbistum habe einen “externen kirchenrechtlichen Sachverständigen beauftragt, den Sachverhalt disziplinarisch und dienstrechtlich zu prüfen”. Die Kurie bestätigte damit einen Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers vom 2. Mai, dem gegenüber Behördensprecherin Britta Zur erklärt hatte, das Ermittlungsverfahren gegen den 56-jährigen Hennes sei “mangels Nachweises” eingestellt worden. “Wie mitgeteilt ist der jetzt erfolgte Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen die Voraussetzung für die kirchenrechtliche Vorprüfung der Angelegenheit,” hiess es seitens der Kurie am Montag.

Erzbischof Rainer Maria Woelki hatte Monsignore Hennes im März mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres von allen Ämtern beurlaubt, weil gegen ihn der Vorwurf der sexuellen Belästigung gegenüber einem erwachsenen Praktikanten erhoben worden sei. Das Erzbistum habe einen entsprechenden Hinweis an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Davon unabhängig sei ein innerkirchliches Verfahren eröffnet worden. Hennes hatte den Vorwurf bestritten. In der seinerzeitigen Bekanntmachung der Kirche hiess es, Hennes sei den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz entsprechend bis zum Abschluss des Verfahrens beurlaubt. Der betreffende Vorgang soll sich 2012 ereignet haben; der Hinweis habe das Erzbistum aber erst in der zweiten Märzwoche erreicht.

Hennes war von Kardinal Woelki im Juli 2015 zum ranghöchsten Seelsorger der Landeshauptstadt ernannt worden, nachdem der bereits in der Öffentlichkeit bekannte Kandidat den Erzbischof gebeten hatte, ihn nicht zum Stadtdechanten zu machen. Aufgrund der öffentlichen Debatte um seine Person sei es nicht sinnvoll, eine Ernennung weiterzuverfolgen. Woelki hatte dies bedauert und betont, dass der Kandidat alle wünschenswerten Qualitäten mitgebracht hätte. Hennes war Pfarrer von St. Lambertus; die Pfarre bildet mit den Gemeinden St. Maximilian, St. Mariä Empfängnis und der Dominikanerkirche St. Andreas die katholische Kirchengemeinde St. Lambertus.

Bereits am 8. Juni hatte das Kölner Domradio berichtet, die Justiz habe das Verfahren gegen Hennes eingestellt. Der Sender meldete unter Berufung auf “Justizkreise”, “alle Vorwürfe” hätten sich ”als nicht belastbar erwiesen”. Hennes’ Anwalt Peter Schnatenberg hatte die Einstellung laut Presseberichten als „Freispruch erster Klasse“ gewertet. Aus der Vernehmung des damaligen Priesteramtskandidaten und Praktikanten ergebe sich klar, dass „es in keinerlei Weise irgendeine Form der Belästigung” gegeben habe.

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