Montag, 23.09.2019 11:23 Uhr

Öffentlicher Nahverkehr Samstags gratis in Göttingen

Verantwortlicher Autor: Uwe Hildebrandt Göttingen, 29.06.2019, 15:14 Uhr
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Das soll durch die Freifahrt verhindert werden
Das soll durch die Freifahrt verhindert werden  Bild: Erich Westendarp / www.pixelio.de

Göttingen [ENA] Göttingen ist in den letzten Jahren durch viele Merkwürdigkeiten aufgefallen, die den öffentlichen Nahverkehr betreffen. Da wurden sogenannte Musikbusse etabliert die ganz leise den Fahrgästen Musik spielen, leider ohne die Möglichkeit das die Fahrgäste Einfluss auf die Musik nehmen können.

Dann gab es Busse in denen Abends grünes Licht zur Beleuchtung verwendet wurde. Esoteriker oder auch Lichtanalysten schreiben der Farbe Grün beruhigende Eigenschaften zu. Ausserdem soll die Farbe grün Hilfsbereitschaft, Ausdauer, Toleranz und Zufriedenheit fördern. Aha, da hat die GöVB (Göttinger Verkehrsbetriebe) ja richtig recherchiert. Aber es geht ja noch weiter. In allen Bussen sollte WLAN kostenlos zur Verfügung stehen, weil ja die Fahrgäste sonst während der Fahrt wirtschaftlich und sozial abgeschottet sind, quasi im Bus keine Aktien kaufen und verkaufen können, keine Emails lesen und beantworten können usw. Über 90 % aller Handynutzer haben allerdings eine SIM – Karte.

Damit können Sie alles nutzen; das war den Planern, die keine Busfahrer sind, schlicht entfallen. Soweit die Vergangenheit. Als vorausschickender Fakt sei noch gesagt, das auch die GöVB als öffentlicher Verkehrsmittelbetrieb wie auch in fast allen anderen deutschen Städten defizitär ist und jedes Jahr mit mehreren 100.000 Euro bezuschusst werden muß, insbesondere deshalb, weil derzeit die Busflotte nach und nach in Hybridbusse getauscht werden soll, was Millionenbeträge erforderlich macht. Jetzt hat sich die Piratenpartei und Die Partei im Rat Göttingen dafür stark gemacht und einen Antrag eingebracht, das Busfahren in Göttingen immer Samstags kostenfrei sein soll.

Frau Rotter von der Piratenpartei begründet den Antrag mit dem Erfolg in Thüringen, wodurch die Fahrgastzahlen um 5.1 % gestiegen sind. Ausserdem würde die Luftqualität verbessert, denn die Autofahrer würden auf den Bus umsteigen. Was Sie nicht erzählt: Die Autofahrer steigen gar nicht um, denn die kaufen am Samstag Ihre Wocheneinkäufe ein und haben wenig Lust und Möglichkeiten, den Einkauf im Bus zu schleppen. Was soll eine Steigerung der Fahrgastzahlen bringen, wenn die Fahrgäste nicht zahlen ? Gar nichts ausser Probleme. Da in Göttingen in den letzten Jahren die Fahrzeiten sowieso insbesondere in den Abendzeiten ausgedünnt worden sind und dadurch die Busse Abends und zu bestimmten Stosszeiten überfüllt sind.

Dadurch wird die Problematik weiter verschärft, was gar keinen Sinn macht. Ausserdem hat die GöVB seit letztem Jahr mit dem Problem chronischer Fahrermangel zu tun, was dazu geführt hat, das monatelang Busfahrten ausgefallen sind bis hin zu Ausfällen von ganzen Buslinien. Abgesehen davon führen diese Freifahrten zu Problemen mit den Kosten der Monatskarten, Abokarten und Wochenkarten. Hier müßte der Preis angepasst werden, und zwar drastisch nach unten, wenn ich den Samstag nicht mehr zahlen muß, und das, wo die finanzielle Lage sowieso prekär ist von der GöVB.

Also würde die Stadt den Zuschuss erhöhen müssen, wenig sinnvoll. Und zuletzt möchte ein Arbeitnehmer, der den ganzen Samstag gearbeitet hat, Abends im Bus auf einen Sitzplatz haben und sich nicht noch hinstellen müssen für die Fahrt, während die Shopper, Stadtbummler und diejenigen, die aus Lust und Laune mal eine oder 2 Stationen fahren, die Plätze besetzen. Herr Otto Arnold von der CDU Ratsfraktion entgegnet, das das defizitäre Problem der GöVB weiter verschärft wird, von derzeit 9.8 Millionen Euro auf über 10 Millionen Euro. Ausserdem würden zwar Fussgänger und Radfahrer den Busverkehr mehr nutzen, nicht aber Autofahrer.

Das hätten diverse Erfahrungen bei Umstellungen in anderen Städten gezeigt. Das zeigt klar, welche Schnappsidee hier von den Piraten und Die Partei ins Leben gerufen wurde, kurzsichtiges Denken unter Ausblenden echter Argumente. Dagmar Sakowski von den Grünen findet das gut und begründet es wie die Piratenpartei mit sauberer Luft. Das Geld solle vom Bund kommen. Ebenso eine Luftnummer wie so oft bei den Grünen. Wie wir ja nun wissen, werden Autofahrer nicht umsteigen, und Sie rechnet bereits mit Geldern, die sie gar nicht bekommen wird. Ebenso eine Luftnummer. Die SPD Volker Grothey beklagt wie die CDU die Annahmeverweigerung der Autofahrer. Sein Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Taktung der Busse.

Das wäre sinnvoll, aber wenig glaubhaft, denn wir wissen ja, die Taktung wurde erst zurückgefahren. Die GöLinke/ALG Herr Wucherpfennig führt an, in mehreren europäischen Städten würde das Modell schon probiert, Einnahmeverluste seien ein Thema, aber auch der Gewinn an Lebensqualität. Das ist typisch: Europa bietet die Lösung. Was nützt eine Probe in der EU; kennt Herr Wucherpfennig eigentlich das Ergebnis ? Welche Finanzsituation herrscht denn in der Stadt, die er wahrscheinlich gar nicht kennt, geschweige denn das Ergebnis in der Stadt. Wo sieht er denn eine Steigerung von Lebensqualität, wenn man bei 35 Grad gequetscht im Bus Körper an Körper gestanden nach Hause fährt ? Wirklich realitätsfremd, aber man will ja was zu sagen haben.

Zusammenfassend kann man nur froh sein, das die großen Parteien CDU und SPD doch realistisch erkannt haben, wie unsinnig eine solche Regelung ist, und das verhindern werden. Bände spricht der Satz der SPD Fraktion: Dieser Antrag ist wie viele andere der Göttinger Piraten wenig zielführend und nicht zu Ende gedacht. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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